Aloisiuskolleg: Bestnoten in digitaler Bildung

14.01.2022 von Rainer Oude Hengel


Wie das Aloisiuskolleg seinen Unterricht digitalisiert

Dem Aloisiuskolleg in Bonn ist der Wandel zur digitalen Schule geglückt: 2019 richtete das Gymnasium mit Unterstützung der Telekom eine neue Netz- und IT-Infrastruktur ein. Seit Sommer 2021 tauschen die Schülerinnen und Schüler Papier gegen iPad.


Wie wird eine Schule zum „Digital Leader“? Das Aloisiuskolleg im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg hat sich diese Frage bereits im Frühjahr 2018 gestellt und gemeinsam mit anderen Jesuitenschulen eine Antwort entwickelt: das Konzept der „Digital Leadership Education“. Damit schlug die Privatschule schon früh einen vorbildlichen Weg in Richtung digitale Schule ein.

Das Konzept will Lehrer- und Schülerschaft an digitale und methodisch-didaktisch neue Formate heranführen. Lehrkräfte sollen lernen, digitale Medien sinnvoll in ihren Unterricht einzubauen. Die Schülerschaft soll einen sicheren und eigenständigen Umgang mit Tools wie Wikis und Videobearbeitung entwickeln – um in Zukunft gut vorbereitet in den digitalisierten Arbeitsmarkt einzusteigen. Große Ziele für das altsprachliche, private Gymnasium und Internat mit 730 Schülerinnen und Schülern sowie rund 60 Lehrkräften. Und das, bevor Homeschooling in den Schulalltag kam: Innovative Medienbildung und digitale Transformation im Bildungswesen spielten nämlich bereits vor der Pandemie eine wichtige Rolle für die Lehrkräfte des Kollegs. Das machte sich im Homeschooling bemerkbar.

Keine digitalen Lernformen ohne technische Grundlage

Allerdings war die IT-Infrastruktur des traditionsreichen Gymnasiums veraltet und musste zuallererst auf einen modernen Standard gehoben werden. Also kontaktierten Verwaltungsleiter Andre Hoffbauer und IT-Leiter Patrick Gies die Deutsche Telekom. Unser Team beriet das Kolleg, wie es sein Konzept optimal umsetzen kann.

Die erste Etappe 2019 hieß: schnelles, verlässliches Internet, das überall auf dem Schulcampus verfügbar ist. Die Schule nutzte bereits einen eigenen Serverraum für erste Verwaltungssoftware, doch die lokale Vernetzung war für das zunehmende Datenvolumen viel zu langsam. Deshalb realisierten wir als IT-Partner flächendeckendes WLAN, neue Firewalls und neue Server – den Exchange-Server hat das Kolleg in die Cloud migriert. Damit war die Basis geschaffen, digitale Tools flexibel in den Unterricht einzubauen. Über kostenlose Office 365 A1-Lizenzen können Verwaltung und Lehrkräfte heute zum Beispiel Outlook, Word, Excel oder PowerPoint nutzen. Schritt für Schritt auch die Schülerinnen und Schüler.

Faire Startbedingungen für mobiles Lernen

Im 2021 folgte dann der nächste Schritt: Im Frühjahr erhielten – als erste, um sich damit gut vertraut zu machen – die Lehrkräfte und dann ab Herbst alle Schüler*innen ab Stufe 7 nach und nach ein persönliches iPad mit Tastatur und Eingabestift; lediglich für die Stufen 5 und 6 gibt es stattdessen iPad-Klassensätze, für die Nutzung im Unterricht, nicht daheim. So lassen sich Grammatikübungen oder Matheaufgaben auf der digitalen Tafel statt mit Kreide bearbeiten. Im Anschluss kann die Klasse die Ergebnisse per Apple TV auf dem Beamer vergleichen. Zudem installierten wir einheitliche Betriebssysteme, damit jedes Schulkind auf die gleichen digitalen Lernplattformen wie itslearning, BetterMarks oder Apps wie GeoGebra zugreifen kann.

Schulpersonal managt IT selbst

Als Digitalisierungspartner für das gesamte IT-Konzept der Schule implementierten wir die Lösungen so, dass die IT-Verantwortlichen der Schule die Technik leicht selbst verwalten können – das war dem Kolleg genauso wichtig wie uns. Zum Beispiel über die Cisco-Software Mobile Device Management (MDM): Durch das MDM behält das Schulpersonal den zentralen Überblick über alle Geräte, kann Apps aktualisieren und Betriebssysteme konfigurieren. Anwendungen wie YouTube und Netflix lassen sich über die Regulierung der Zugriffsrechte für den Unterricht sperren. Zusätzlich erkennt das MDM Netzwerkprobleme und kann bandbreitenintensive Apps sofort stoppen.

Lernen mit Highspeed-Anschub

Mit dem neuen technischen Standard begann für die Lehrkräfte erst die Umsetzung ihres Vorreiter-Konzepts der „Digital Leadership Education“. Die digitalen Lernmethoden sollen dem Unterricht neue Schubkraft verleihen, aber keineswegs bewährte analoge Prozesse verdrängen. So erstellen und korrigieren die Lehrkräfte zum Beispiel Vokabeltests digital, Klassenarbeiten schreiben die Schülerinnen und Schüler aber weiterhin mit der Hand. In mehreren Fächern können Online-Tools den Unterricht unterstützen, damit die Schülerinnen und Schüler Know-how wie Tabellenkalkulation, Videoschnitt, Text- und Bildbearbeitung erwerben. Fähigkeiten, die in vielen Berufen heute zur Selbstverständlichkeit zählen.

Immo Kruppke, Informatik- und Mathematiklehrer sowie Beauftragter für Informationstechnologie am Aloisiuskolleg, berichtet uns, dass die neuen Methoden auch die tägliche Unterrichtsorganisation effizienter gestalten: „Wenn Klassenbücher oder andere unterrichtsrelevante Dokumente digitalisiert werden, sparen wir Zeit und behalten einen besseren Überblick.“

Zukunftsinvestitionen müssen ein Konzept haben

Digitale Bildung kommt nicht ohne ein konzeptionelles Grundgerüst aus – das hat das Aloisiuskolleg mit seinem Konzept der „Digital Leadership Education“ als eine der ersten Schulen erkannt. Auch der DigitalPakt Schule von 2019 schreibt groß, dass finanzielle Förderung allein langfristig nicht hilft: Schulen können die Fördergelder aus dem insgesamt sieben Milliarden Euro schweren Topf nur beantragen, wenn sie einen Medienentwicklungsplan einreichen. Doch dafür müssen die Schulen zuerst wissen, wie ihr technischer Status quo aussieht. Wie kommt WLAN in die Klassenzimmer, welche Geräte passen zum Unterricht und wer kümmert sich um die regelmäßigen Sicherheitsupdates? Komplexe Fragen, die viele Schulen ohne professionelle Hilfe nicht beantworten können. Mit dem Schulkonfigurator haben wir ein Tool entwickelt, mit dem sich online schon leicht eine erste Übersicht über den Digitalisierungsbedarf der Schule ermitteln lässt. Schritt für Schritt wird auch weniger technikaffines Schulpersonal durch alle relevanten Themenfelder geführt. Das ist eine gute Basis für ein Beratungsgespräch mit einem unserer Expertenteams oder kann auch erste Orientierung für eine Ausschreibung und Förderanträge geben. Mit Partnern wie m2more und der Detecon bieten wir auch Hilfestellung bei der nachhaltigen Medienentwicklungsplanung. So können dann die Elemente und Mengengerüste in ein nachhaltiges Konzept überführt werden. Denn es lohnt sich, mit Weitblick an den digitalen Unterricht ranzugehen. Das Aloisiuskolleg macht es vor.



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Rainer Oude Hengel

Deutsche Telekom, Konzernprogramm Digitale Bildung und Schule

Rainer Oude Hengel ist im Konzernprogramm Digitale Bildung und Schule übergreifend verantwortlich für die Markt-Kommunikation.

Der Public-Sector-Experte verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Digitalisierung durch integrierte Lösungen - mit Netzwerk, IT und Mobility in einem Gesamtkonzept.