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Wahlfreiheit statt Abhängigkeit: Digitale Souveränität für die Verwaltung

T Cloud mit EU-Sternen als Cloud-Symbol über leuchtenden Portalen zu digitalen Services.
KI-generiertes Bild

In Kürze

  • Digitale Souveränität bedeutet Wahlfreiheit – nicht vollständige Unabhängigkeit oder Abschottung.
  • Cloud, KI und Innovationen globaler Technologieanbieter können genutzt werden, wenn Daten, Zugriffe und spätere Wechselmöglichkeiten kontrollierbar bleiben.
  • Souveränität braucht reale Infrastruktur: verfügbare Rechenkapazitäten, eine verlässliche Energieversorgung sowie offene Standards, Interoperabilität und Portabilität.
  • KI im öffentlichen Sektor braucht Vertrauen durch Datenqualität, Governance, klare Verantwortlichkeiten und den Schutz sensibler Daten.
  • Europa muss eigene Innovation stärker skalieren; der öffentliche Sektor kann dabei als Kunde und Anwender neuer Technologien eine wichtige Rolle übernehmen.

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung nimmt Fahrt auf

Cloud und Künstliche Intelligenz eröffnen enorme Möglichkeiten: schnellere Prozesse, bessere Services, weniger Komplexität. Aber mit jeder neuen Technologie stellt sich auch eine andere Frage: Wie nutzen wir Innovation, ohne uns neue Abhängigkeiten einzukaufen? Für mich ist das der Kern digitaler Souveränität.

Souveränität heißt: selbst entscheiden können

Digitale Souveränität wird oft mit Unabhängigkeit verwechselt. Manchmal sogar mit Abschottung. Beides trifft es aus meiner Sicht nicht. Es geht nicht darum, nur noch europäische Technologien einzusetzen oder auf globale Innovation zu verzichten. Es geht darum, selbst entscheiden zu können, welche Technologien wir nutzen, wo Daten verarbeitet werden, wer Zugriff darauf hat und wie flexibel wir unsere Entscheidungen später wieder verändern können. Kurz gesagt: Es geht um Wahlfreiheit.

Und genau deshalb wäre es falsch, die Innovationskraft der großen globalen Technologieanbieter auszublenden. Hyperscaler haben Cloud und KI in den vergangenen Jahren massiv vorangetrieben. Von dieser Innovationsgeschwindigkeit können und sollten wir profitieren. Die relevante Frage lautet daher nicht: Europa oder Hyperscaler? Die Frage ist, wie wir beides zusammenbringen: Zugang zu Innovation und gleichzeitig die Fähigkeit, selbstbestimmt zu handeln.

Cloud und KI werden die Verwaltung verändern

Cloud und KI sind für mich zentrale Bausteine der nächsten Phase der Verwaltungsdigitalisierung. Cloud-Lösungen schaffen die technische Flexibilität, die moderne digitale Services brauchen. KI kann Mitarbeitende entlasten, große Informationsmengen erschließen und Prozesse einfacher machen.

Spannend wird es aber erst dann, wenn wir nicht nur bestehende Abläufe digitalisieren, sondern Verwaltungsprozesse grundlegend neu denken – aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger und nicht aus Sicht gewachsener Strukturen. Cloud und KI schaffen dafür neue Möglichkeiten. Damit dieses Potenzial tatsächlich genutzt werden kann, braucht es allerdings die passende technologische Basis.

Gerade KI ist auf leistungsfähige und verlässlich verfügbare Rechenkapazitäten angewiesen. Der Zugang zu GPUs und anderen KI-Ressourcen entwickelt sich deshalb zunehmend zu einer strategischen Frage. Wer KI souverän einsetzen will, muss also nicht nur über Anwendungen und Modelle sprechen, sondern auch darüber, wie die notwendige Infrastruktur bereitgestellt wird und unter welchen Bedingungen sie verfügbar ist. Damit wird Rechenleistung zu einem Teil der Frage, wie handlungsfähig und wettbewerbsfähig wir digital künftig sind.
 

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Ohne Energie keine digitale Infrastruktur

Cloud- und KI-Infrastrukturen brauchen Strom. Viel Strom. Damit wird Energie zu einem Teil der Debatte über digitale Wettbewerbsfähigkeit. Wenn wir in Deutschland und Europa relevante Rechenzentrums- und KI-Kapazitäten aufbauen wollen, müssen diese auch wirtschaftlich betrieben werden können. Dazu gehören eine verlässliche Energieversorgung, wettbewerbsfähige Kosten, verfügbare Netzkapazitäten und vernünftige Planungsbedingungen. Technologiepolitik und Energiepolitik lassen sich an dieser Stelle nicht mehr getrennt betrachten. Digitale Souveränität entsteht eben nicht nur durch Gesetze, Standards oder Software. Sie braucht reale Infrastruktur.

Eine souveräne Cloud braucht Offenheit

Für die öffentliche Verwaltung sind Sicherheit, Datenschutz und Resilienz selbstverständlich zentrale Anforderungen. Aber auch sie reichen allein nicht aus. Eine souveräne Cloud muss Wechselmöglichkeiten erhalten. Anwendungen und Daten sollten nicht dauerhaft in einer einzelnen technologischen Umgebung gefangen sein. Deshalb sind offene Standards, Interoperabilität und Portabilität so wichtig.

Auch Open Source gehört in diese Diskussion. Offene Technologien können Transparenz schaffen und Abhängigkeiten reduzieren. Aber Open Source ist nicht automatisch souverän. Am Ende kommt es darauf an, wie eine Technologie betrieben wird, wer Verantwortung übernimmt, wie Sicherheit und Support organisiert sind und ob sie langfristig weiterentwickelt werden kann. Für mich ist deshalb nicht die Frage entscheidend, ob etwas Open Source oder proprietär ist. Entscheidend ist, ob es Wahlfreiheit erhält.

Europa muss Innovation nicht nur fördern, sondern skalieren

Ein weiterer Punkt gehört für mich unbedingt zur Debatte über Souveränität: unsere eigene Innovationsfähigkeit. Europa hat starke Unternehmen, Start-ups und Forschungsteams. Ideen gibt es genug. Die größere Herausforderung ist häufig die Skalierung. Wie schaffen wir es, dass aus technologisch guten Ideen auch international relevante Unternehmen werden? Dafür braucht es Märkte, Kapital, Rechenkapazitäten, Daten und Partnerschaften. Und vo allem braucht es die Möglichkeit, Innovation schnell in realen Anwendungen einzusetzen.

Gerade der öffentliche Sektor kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Nicht nur als Regulierer, sondern auch als Kunde und Anwender neuer Technologien. Dabei sollten wir keinen künstlichen Gegensatz zwischen europäischen Anbietern und globalen Technologieunternehmen aufbauen. Wir sollten die Innovationskraft der Hyperscaler nutzen und gleichzeitig dafür sorgen, dass europäische Unternehmen faire Chancen haben, zu wachsen und ihre Lösungen zu skalieren. Beides gehört zusammen.

"Für mich ist deshalb nicht die Frage entscheidend, ob etwas Open Source oder proprietär ist. Entscheidend ist, ob es Wahlfreiheit erhält."

Lars Neumann, SVP T Cloud — 10.09.2026

KI braucht Vertrauen

Gerade im öffentlichen Sektor wird der Erfolg von KI nicht allein daran gemessen werden, wie effizient sie ist. Entscheidungen müssen nachvollziehbar bleiben. Verantwortlichkeiten müssen klar sein. Sensible Daten brauchen besonderen Schutz. Und es gibt noch einen Punkt, der in der KI-Debatte oft unterschätzt wird: Datenqualität.

Auch das beste KI-Modell hilft wenig, wenn Daten nicht verfügbar, nicht strukturiert oder nicht verlässlich sind. Deshalb müssen wir Infrastruktur, Daten, Governance und Kompetenzen gemeinsam weiterentwickeln. Technologie schafft Möglichkeiten. Vertrauen entsteht durch die Art, wie wir sie einsetzen.

Profilbild des Autors

Lars Neumann

SVP T Cloud

Lars Neumann verantwortet das konzernweite Cloud-Angebot der Deutschen Telekom unter dem Dach T Cloud und ist Geschäftsführer der ITENOS GmbH. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung im Cloud-Geschäft begleitet er Unternehmen und den öffentlichen Sektor bei der sicheren Digitalisierung. Sein Schwerpunkt liegt auf einer, europäischen Cloud-Infrastruktur, die Innovation, Sicherheit und digitale Souveränität vereint.

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